Trotz kleinerem Filialnetz nah am Kunden

In einer Pressekonferenz am Freitagvormittag kündigte die Raiffeisenbank Schwandorf-
Nittenau eG die Schließung von 5 Zweigstellen an – zum Jahresende die Filialen Neukirchen bei
Schwandorf, Steinberg am See und Fischbach. Die Filialen Wald und Neukirchen-Balbini folgen
per 31.3.2017. Der Geldautomat und der Kontoauszugsdrucker in Wald bleiben bis 31.12.2017
und in Abhängigkeit zur Nutzung auch darüber hinaus bestehen.

Eines muss man der Bank lassen, sie nennt das Kind beim Namen und spricht ohne
Augenwischerei von einer Schließung, statt diese Tatsache mit den Worten strukturelle
Veränderung, Bereuungswechsel oder gar Zusammenlegung zu umschreiben. „Die betroffenen
Kunden haben wir in einem Brief offen und ehrlich über unsere Beweggründe informiert.“, so der
Vorstand im Rahmen der Pressekonferenz.

In den vergangenen Jahren hat die Bank ihren Service umfassend ausgebaut: Über Online-
Banking, per App und das Telefon-Service-Center erledigen inzwischen die meisten Kunden viele
Bankgeschäfte bequem von jedem Ort aus. Die SB-Standorte und das Internet-Angebot stehen
den Kunden rund um die Uhr zur Verfügung.
„Viele Kunden ziehen diese attraktiven Möglichkeiten dem Schalterbesuch vor.“, erklärt Vorstand
Michael Köstler. Die Besucherfrequenz in den von der Schließung betroffenen Filialen hat in den
letzten Jahren stetig abgenommen. Das liegt auch daran, dass ein Teil der Kundschaft aus
besagten Gemeinden schon heute von Beratern in den nächstgelegenen, größeren
Geschäftsstellen betreut wird und so von den dort erweiterten Öffnungszeiten profitiert.

Das veränderte Nutzungsverhalten, die kundenseitige Erwartungshaltung nach modernem
Online-Service und die von der EZB gesteuerte Niedrigzinspolitik beschreiben das Spannungsfeld,
in dem sich die kleinen Regionalbanken aufs Neue beweisen müssen. Auch der wachsende
Aufwand für die Erfüllung gesetzlicher Vorgaben setzt deren Kosten- und Ertragsstrukturen
zunehmend unter Druck. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, versicherte Dir.
Maximilian Zepf, „Wir nehmen unsere Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern und
Mitgliedern sehr ernst und sind deshalb verpflichtet, wirtschaftlich sinnvoll und zukunftsorientiert
zu handeln.“

Mitarbeiter werden weiter beschäftigt

Die Frage nach dem Verbleib der betroffenen Mitarbeiter beantwortete der Vorstand wie folgt:
„Unsere Kunden werden in gewohnt guter Qualität von der nächst gelegenen Geschäftsstelle aus
betreut. Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen aufgrund der Geschäftsstellenschließungen
geben.“ Die Bank könne den notwendigen Stellenabbau über natürliche Fluktuation
und auslaufende Verträge abdecken, hieß es weiter.
Im Übrigen will sie sicherstellen, dass auch jene Kunden weiterhin gut betreut werden, die zur
persönlichen Beratung nicht in eine der anderen 7 Geschäftsstellen kommen können. „Auch wer
nicht so mobil ist, muss sich keine Sorgen machen“, sagt Thomas Stalla, „Unsere Berater kommen
auf Wunsch für eine Beratung selbstverständlich zu unseren Kunden nach Hause!“ Dieses
Angebot gilt lt. Stalla schon seit langem für alle Kunden. Dass Beratungstermine auf Anfrage auch
sehr flexibel außerhalb der Filialöffnungszeiten stattfinden, gehöre inzwischen zum Standard.

Als selbstverständlich betrachtet die Bank den parallelen Ausbau alternativer, moderner Kanäle.
Gemeint ist damit z. B. die neue komfortable Kommunikation über das elektronische Postfach im
Online-Banking oder auch der Filialneubau in Neunburg v. W. Außerdem sollen Konzepte zu
Videoberatung und Kooperationsmöglichkeiten zur Bargeldversorgung im filiallosen
Geschäftsgebiet geprüft werden.
Zusammenfassend hielt der Vorstand fest, dass keine weiteren Schließungen zur Diskussion
stehen. Statt weiter Gedanken an den „Abbau“ zu verschwenden, will die Raiffeisenbank
Schwandorf-Nittenau eG weiter in schlanke, am Kunden orientierte Prozesse und Angebote
investieren und sich noch stärker als DER regionale Ansprechpartner in allen Finanz- und
Vorsorgefragen positionieren. „Die Bank war und ist auch in Zukunft der Region verpflichtet“, so
die drei Vorstandsmitglieder, „Wir werden unseren genossenschaftlichen Auftrag in der neuen
Struktur mit gestärkten Kompetenzzentren in gewohnt hoher Service- und Beratungsqualität
erfüllen.“